Dr. Christophe Andreoli, Platz 3, ÖDP-Liste
- christopheandreoli
- 11. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Jan.

Christophe, kannst du dich kurz vorstellen?
Ich bin promovierter Biologe und Biochemiker aus Frankreich, lebe aber seit über 30 Jahren in Deutschland, Ingolstadt ist längst meine Heimat geworden.Von meiner Überzeugung her bin ich biozentrisch orientiert. Das bedeutet: Ich sehe den Menschen nicht als Mittelpunkt der Welt, sondern als Teil eines größeren Ökosystems.
In unserer Kultur dominiert dagegen ein anderes Mindset: Der Mensch steht im Zentrum, und der Rest der Natur wird systematisch nur als Mittel zum Zweck betrachtet. Genau dieses Denken führt uns in die ökologische Krise, zerstört Lebensräume und damit auch unsere eigenen Lebensgrundlagen!
Ich stehe für einen Perspektivwechsel: Wir müssen unseren Platz im Ökosystem wieder einnehmen, den Platz, den wir eigentlich nie hätten verlassen dürfen. Ein Platz, der Verantwortung, Respekt und Achtsamkeit gegenüber allen anderen Lebewesen einschließt.
Das ist meine Überzeugung. Dafür setze ich mich ein,wissenschaftlich fundiert und politisch konsequent.
Was motiviert dich, 2026 für den Ingolstädter Stadtrat zu kandidieren, und warum auf der Liste der ÖDP?
Die Tierschutzbewegung ist, was Aktivismus betrifft, sehr lebendig. Dennoch braucht es einen politischen Hebel. Viele entscheidende Weichenstellungen werden auf kommunaler Ebene getroffen, ohne dass die Stimme von Tierschützerinnen und Tierschützern berücksichtigt wird.
Mein Anspruch ist es, im Ingolstädter Stadtrat Lobbyarbeit zu leisten, aber eine Lobby für die Schwachen! Für Menschen, die in unserer lokalen Gesellschaft wenig Gehör finden, ebenso wie für Tiere und für die ausgebeutete Natur. Diese Interessen brauchen eine klare, konsequente Vertretung in der Politik.
Warum gemeinsam mit der ÖDP?Die ÖDP Ingolstadt ist seit vielen Jahren glaubwürdig im Natur- und Umweltschutz engagiert. Sie setzt sich konsequent für zentrale Zukunftsthemen ein, etwa für die Verkehrswende und nachhaltige Stadtentwicklung.
Gemeinsam wollen wir Synergien nutzen: Die Tierschutzpartei bringt besondere Expertise und Konsequenz in Bereichen wie Artenschutz, pflanzliche Ernährung und Agrarpolitik ein. Die ÖDP wiederum verfügt über kommunalpolitische Erfahrung.
Gerade für jüngere Generationen ist es zunehmend schwer, Tierleid und Naturausbeutung einfach hinzunehmen. Diese Sensibilität wollen wir politisch aufgreifen. Gemeinsam mit der ÖDP möchten wir insbesondere junge Menschen ansprechen und ihnen zeigen: Konsequenter Tier- und Naturschutz gehört ins Rathaus.
Wo siehst Du im Bereich Tier- und Artenschutz in Ingolstadt aktuell die größten Defizite?
Im Bereich Artenschutz liegt das zentrale Problem in der Umsetzung. Ingolstadt verfügt seit 2009 über eine Biodiversitätsstrategie, die nun endlich fortgeschrieben werden soll. Strategien auf dem Papier sind wichtig, entscheidend ist jedoch der politische Wille, sie auch konsequent anzuwenden.
Ob eine Stadt Arten- und Biodiversitätsverlust wirklich ernst nimmt, zeigt sich immer dann, wenn konkrete Abwägungen notwendig sind: zwischen wirtschaftlichen Interessen und Stadtentwicklung auf der einen Seite und dem Schutz von Natur und Lebensräumen auf der anderen. Die bisherigen Entscheidungen lassen nicht erkennen, dass der Schutz der Biodiversität tatsächlich Priorität hatte.
Auch im Bereich Tierschutz ist Ingolstadt auffallend träge. Wichtige Instrumente wurden jahrelang nicht genutzt oder verschleppt: eine Katzenschutzverordnung, ein konsequentes Vorgehen gegen Schottergärten oder ein Nachtfahrverbot für Mähroboter, alles verpasste Gelegenheiten. Insgesamt ist Ingolstadt in diesen Fragen nicht Vorreiter, sondern läuft anderen Kommunen hinterher.

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